Sonntag, 17. April 2022

2. Woche Namibia

Diamanten einfach vom Wüstensand aufheben und über Nacht zum Millionär werden. Ein Mythos? Nein, in Kolmanskop Realität. Anfang des 20 Jahrhunderts wurde dieser Ort aufgrund seines hohen und leicht zugänglichen Diamantenvorkommens innerhalb weniger Jahre zu einer der reichsten Städte der Welt und die zirka 400 Einwohner lebten in Saus und Braus. Die aus dem Boden gestampfte Infrastruktur inmitten der kargen Wüste suchte seinesgleichen. So gab es ab 1911 bereits

  • elektrischen Strom während man in Europa noch Gaslampen benutzte;
  • eine Eisfabrik, in welcher Eisblöcke für Kühlschränke produziert wurden. Wobei das Süsswasser von Kapstadt über den Seeweg transportiert werden musste;
  • ein Tram, welches von Eseln gezogen wurde;
  • einen Salzwasserpool, Kegelbahn und vieles mehr.

Das ganze Baumaterial für die Gebäude wurde zudem von Deutschland eingeschifft inklusive Sand für den Zement, wie wenn es hier nicht genug davon gäbe. Interessant ist, dass im Krankenhaus der erste Röntgenapparat im Süden Afrikas installiert wurde. Wohl nicht nur um allfällige Knochenbrüche festzustellen sondern auch, um die Arbeiter auf etwa verschluckte Diamanten zu kontrollieren.

Mit dem Kriegsausbruch 1914 ging die Förderung gegen Null und mit dem Verlust der deutschen Kolonien ging auch die deutsche Ära der Diamantenförderung zu Ende und an Südafrika über. Die Stadt Kolmanskop wurde wieder dem Wüstensand überlassen. Heute kann die Geisterstadt im Rahmen einer interessanten Führung besucht werden und strömt ihren ganz eigenen Charme aus.

Nach diesem kulturellen Tagesausflug fuhren wir weiter zum südlichsten Punkt unserer Rundreise, dem Fish River Canyon. Direkt neben unserer Campsite beim Canyon Roadhouse startet der 46km lange "Garas 4x4 Trail". Bei der Fahrt durch wunderschöne Landschaften sahen wir eine Vielzahl von Wildtieren und entdeckten bei einer kleinen Wanderung so etwas wie namibische Ostereier ;-). An dieser Stelle herzlichen Dank an Ruth und Angelo für den Tipp.

Über karges und plattes Land ging es dann am Folgetag die letzten Kilometer zum zweitgrössten Canyon der Welt. Kein Anzeichen weist darauf hin, dass man bald in die Abgründe schaut. Der Blick vom ersten Aussichtspunkt in die Tiefe ist schlichtweg überwältigend. Weit unten schlängelt sich der Fluss in unzähligen Windungen durch die felsige Landschaft. Weitere Aussichtspunkte eröffnen immer wieder neue, spektakuläre Ansichten auf den 160km langen, bis zu 27km breiten und 550m tiefen Canyon.

Auf der Weiterfahrt über Mariental besuchten wir den fotogenen Quiver Tree Forest und beim Giant’s Playground fragten wir uns wirklich, ob hier Riesen mit Steinen Tetris gespielt haben. Kurz vor unserem Ziel der "Jansen Kalahari Guestfarm" durchfuhren wir eine Regenfront und wurden auf unserer wunderschönen Campsite mit einem gewaltigen Regenbogen begrüsst. Normalerweise zeigt sich die Dornstrauch- bzw. Trockensavanne vor allem in Braun- und Rottönen. Durch die vielen Niederschläge leuchtet die Savanne nun herrlich grün und dazwischen die rot-orangen Dünen; was für ein wunderbares Farbenspiel.

Von Samstag auf Sonntag schliefen wir auf der Rinderfarm "Heimat". Diese wird in der fünften Generation von deutschen Auswanderer geführt und Rainer erzählte uns über seinen harten Alltag. So war er im Jahr 2019 aufgrund extremer Trockenheit gezwungen die Hälfte seiner Tiere notzuverkaufen. Wir staunen immer wieder, wie Mensch und Tier in diesem extrem dünn besiedelten und rauen Land überleben (doppelt so gross wie Deutschland bei nur gerade 2.6 Millionen Einwohner).

Und hier die neusten Bilder.

Montag, 11. April 2022

1. Woche Namibia

Mit schwerem Herzen warfen wir einen letzten Blick aus dem Flieger auf den Tafelberg. Würden wir nach den wundervollen 8 Wochen in Südafrika unsere Weiterreise ins trockene Namibia bereuen? Ist übernachten im Dachzelt mit bald 50-ig wirklich eine gute Idee? Diese und andere Fragen gingen mir während des 2-stündigen Flugs von Kapstadt nach Namibia durch den Kopf.

Doch bereits die schöne Fahrt vom Flughafen nach Windhoek liessen viele meiner Befürchtungen schwinden und die tolle Einführung durch Michelle weckte Vorfreude auf unsere geplante 33-tägige Rundreise durch Namibia.

Das deutsche Kolonialerbe war in der Hauptstadt besonders stark zu spüren. Nicht nur die Strassennamen sind deutsch, sondern wir fanden auch Eisbein und Jägerschnitzel auf der Speisekarte. Zudem wird auch in der dritten Generation immer noch deutsch gesprochen und der Zusammenhalt innerhalb der deutschen Gemeinschaft ist stark spürbar. Das deutsche Kaiserreich hielt das heutige Namibia von 1884 bis 1915 besetzt und verlor die Kolonie während des Ersten Weltkrieges an die Alliierten.

Am Folgetag übernahmen wir nach einer ausführlichen Einführung unser Fahrzeug (Toyota Hilux 4x4) und fuhren etwas später mit vollem Tank (2x70 Liter) und gefülltem Kühlschrank (viel Fleisch) Richtung Süden. Zirka 90% aller Strassen in Namibia sind Schotterstrassen. Diese sind jedoch im Gegensatz zur Wild Coast in Südafrika gut gepflegt, so dass sich die Wellblechpisten gut und zügig befahren lassen. So kamen wir am späteren Nachmittag im "Tsauchab River Camp" an. Unsere Campsite für die ersten drei Nächte lag weit abgelegen in einem wunderschönen Tal mit wilden Feigenbäumen. Wir staunten nicht schlecht, als wir vor Ort herzlich von einem Platzwart begrüsst und ein Badezimmerhäuschen mit heissem Wasser vorfanden. Das Dachzelt war zügig aufgeklappt, das Grillfleisch rasch verputzt und um 21 Uhr ging es gut gelaunt die Hühnerleiter hoch ins Zelt. Leider kühlte es in dieser Nacht auf zirka 9 Grad ab und um drei Uhr früh herrschte entsprechend unterkühlte Stimmung im Zelt ;-) Wir bereuten in diesem Moment sehr, nicht die eigenen Daunenschlafsäcke mitgenommen zu haben. So zogen wir Thermounterwäsche, Socken und Mützen an und hofften auf die wärmende Sonne am Morgen.

Während der folgenden Tagen erlebten wir traumhafte, einsame Momente in einmaliger Natur. Auf dem riesigen Gelände des Camps unternahmen wir drei Wanderungen und waren fasziniert von dieser Weite und dem wunderbaren Licht. Und zum Glück blieb es vorerst auch bei dieser einen eisigen Nacht.

Am Donnerstag fuhren wir dann in Richtung Namib-Naukluft National Park und bezogen im Desert Camp eine wunderbare Self-Catering-Unterkunft mit Blick auf die umliegenden Berge. Am Folgetag fuhren wir kurz nach Tagesanbruch über die 65km lange, geteerte Stichstrasse direkt ins imposante Wüstengebiet. Dank Rolfs Fahrkünsten schafften wir auch die letzten 5km durch tiefen Sand und erklommen vom 4x4 Parkplatz "Big Daddy"; mit 380m eine der höchsten Dünen weltweit. Der direkte Abstieg durch den weichen Wüstensand war schnell geschafft und schon standen wir im "Dead Vlei" einer ausgetrockneten Tonpfanne. Namensgebend hierfür sind die vielen abgestorbenen Kameldornbäume, welche aufgrund der extremen Trockenheit konserviert werden. Einige der Bäume stehen dort bereits seit 900 Jahren und bilden einen wunderbaren Kontrast zu den umliegenden, orangen Sanddünen. Wie bereits Südafrika, erhielt auch Namibia dieses Jahr überdurchschnittlichen Niederschlag. So hatten wir das Glück die Salzpfanne mit Wasser anzutreffen. Ein Ereignis, welches zirka nur alle 10 Jahre vorkommt. 

Eines der grössten Privatreservate in Afrika ist das "NamibRand Nature Reserve", welches direkt an den Namib-Naukluft NP anschliesst. Fernab der Zivilisation unternahmen wir in einer kleinen Gruppe eine geführte 3-tägige Wanderung namens Tok-Tokkie Trail. Geschlafen wurde auf komfortablen Feldbetten unter dem funkelnden Sternenhimmel, genüsslich gegessen an einer schön gedeckten Tafel und gewandert in der ergrünten, ältesten Wüste unseres Planeten. Auf der zirka 25km langen Wanderung erfuhren wir zudem viel Interessantes über die Wüstenbewohner und Pflanzenwelt:

  • So schwimmt der "Golden Mole" (Maulwurf) bis zu 6km durch den Sand und hinterlässt lustige Spuren
  • Die Nester der Webervögel sind bis zu 40 Jahre alt
  • Tok Tokkies sind kleine schwarze Käfer, welche durch Klopfgeräusche ihre Partner anlocken
  • Es gibt Wüstenmelonen, welche zwar so riechen aber bitter schmecken
Und hier die neusten Bilder.

Saki unser Platzwart
Saki, welcher seit sieben Jahren diese Site betreut und vor Ort wohnt, schlossen wir von der ersten Sekunde an in unsere Herzen. Er stammt ursprünglich aus der Grenzregion zu Angola, wo seine Frau und seine 5 Kinder noch immer leben. Um ein Mobilenetz zu kriegen, muss er eine Stunde auf den nächsten Berg steigen und sieht seine Familie nur gerade alle 11 Monate. Die N$ 2‘000.- (zirka CHF 130.-) die er monatlich verdient sind für ihn viel Geld, bedeuten aber auch ein Leben in völliger Abgeschiedenheit. Zum Glück konnte er seine Anstellung während Corona behalten und freut sich riesig wieder Gäste auf seiner Site zu begrüssen. Dank Saki hatten wir einen perfekten Einstieg in unsere Namibia-Reise und es machte uns wieder schmerzlich bewusst, wie gut wir es im Leben haben.

Samstag, 2. April 2022

8. und letzte Woche Südafrika

Vom griechisch angehauchten Paternoster ist es nur 1.5 Stunden Fahrt bis nach Kapstadt. Auf dem Weg liegt der West Coast National Park, ein wichtiges Vogelschutzgebiet und die Überwinterungsheimat zahlloser Zugvögel aus Nordeuropa. Den Reiz des Parks machen vor allem die herrlichen Ausblicke über die stille, türkisfarbene Lagune sowie die tosende Brandung an der Altantikküste aus.

Im kleinen Küstenort Melkbosstrand mit Blick auf den eindrucksvollen Tafelberg fanden wir eine hübsche Ferienwohnung. Wie die Einheimischen verbrachten wir viel Zeit am Meer und in den schönen Strandlokalen. Am Samstag früh machten wir uns bei perfekten Wetterbedingungen auf den Weg zum 1‘086 m hohen, abgeflachten Massiv des Tafelbergs. Eigentlich hatten wir mit einer langen Warteschlange gerechnet und waren freudig überrascht, als wir uns bereits nach kurzer Zeit in der Kabine, der in der Schweiz gebauten Bahn, befanden. Oben angekommen unternahmen wir eine Wanderung und genossen die Ausblicke auf Kapstadt und Umgebung. Zudem entdeckten wir ein Prachtexemplar der Nationalblume Südafrikas: Der Königsprotea (Protea cynaroides).

Am Folgetag dislozierten wir in einen südlichen Vorort von Kapstadt nach Hout Bay, welcher eine hübsche Bucht besitzt und das Zentrum der regionalen Krabbenindustrie bildet. Der Champan’s Peak Drive windet sich von dort den Klippen entlang weiter gen Süden und führte uns schlussendlich zum Kap der Guten Hoffnung. Der Eintritt zum dazugehörigen Nationalpark kostet zirka CHF 25.- pro Person ist aber bei der "Wild Card" enthalten, welche man sich bei einem längeren Aufenthalt in Südafrika unbedingt im Vorfeld besorgen sollte. Am nächsten Morgen spazierten wir mit Blick auf die berühmt, berüchtigte "Daunendecke aus Wolken" zum nahegelegenen Fischereihafen und fuhren zur Seal Island, wo sich zirka 4‘000 Seehunde tummeln.

Am Dienstag wachten wir zum ersten Mal während unserer 8-wöchigen Reise bei strömenden Regen auf. Aus unseren Plänen, das Two Oceans Aquarium zu besuchen, wurde nichts, da zurzeit Schulferien herrschen und alle Eltern das gleiche Schlechtwetterprogram für ihre Kinder geplant hatten. Als wir jedoch die nächste, gemütliche Unterkunft bezogen, spielte das Wetter keine Rolle mehr, hatte diese doch Netflix ;-) Am erneut trüben Folgetag besuchten wir den wunderbaren Botanischer Garten in Kirstenbosch.

Nach Abgabe unseres Fahrzeugs verbrachten wir die letzten drei Nächte in der Nähe der Waterfront. Bei erneut purem Sonnenschein erkundeten wir die Stadt zu Fuss. Den farbenprächtigen Bilder sieht man den stürmischen Wind nicht an, welcher leider zur Absage unseres geplanten Robben Island Ausflugs führte. Dafür sahen wir uns ein Rugby-Spiel im nahegelegenen Stadium an, welches 2010 für die Fussball-WM erstellt wurde. Die lokalen "Stormers" bezwangen die walisischen "Ospreys" klar mit 29:13. Zudem genossen wir einen tollen, musikalischen Abschlussabend bei leckerem, afrikanischen Essen.

Morgen Sonntag, 3. April werden wir den Flieger nach Windhoek besteigen. Einerseits sind wir traurig, dass unsere Reise in Südafrika nun zu einem Ende kommt. Anderseits aber auch unglaublich glücklich und dankbar, dass alles so gut geklappt hat, wir uns immer sehr sicher gefühlt haben und so viele wunderbare Orte gesehen und bereichernde Begegnungen erleben durften.

Nun freuen wir uns auf unsere 5-wöchige Namibia-Reise, welche im Gegensatz zu Südafrika bereits im Vorfeld von einem lokalen Anbieter für uns zusammengestellt wurde. Wir hoffen, ihr reist weiter digital mit uns mit und freuen uns schon auf den einen oder anderen Kommentar. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an unsere Arbeitskollegen/-innen und Helfer in der Schweiz; ohne eure Unterstützung wären wir nicht hier!

Hier die letzten Bilder aus Südafrika und untenstehend unsere komplette Reiseroute:

Johannesburg-Parys-Ladybrand-Clarens (3N)-Royal Natal NP (2N)-Cathedral Peak-Champagne Valley (2N)-Durban (2N)-St Lucia (2N)-Hluhluwe-iMfolozi NP-Underberg (2N) Abstecher nach Lesotho: Mokhotlong-Leribe-Thaka Tseka-Semonkong (2N) Matatiele-Umngazi River (2N)-Bulungula-Hole In The Wall (2N)-Gonubie (2N)-Hogsback (2N)-Addo-Graaff Reinert (2N)-Prince Albert-Red Mountain nähe Calitzdorp-Barrydale-Frenschhoek (2N)-Paarl-Clanwilliam-Lambert's Bay-Cederberge (2N)-Paternoster (2N)-Malkebosstrand (2N)-Hout Bay (2x 2N)-Kapstadt (3N)

Freitag, 25. März 2022

7. Woche Südafrika

Der lokale Feiertag am Montag, 21. März brachte unsere Planung etwas durcheinander. Eigentlich wollten wir der Spätsommerhitze im Weingebiet entfliehen und direkt einige ruhige Tage in den Cederberge verbringen. Die Kapstädter schienen die gleiche Idee für ihr verlängertes Wochenende zu haben und im Gegensatz zu uns auch eine entsprechende Buchung. So durchfuhren wir vorerst einmal die traumhafte und einsame Gebirgskette und fanden am Nordrand der Cederberge eine Übernachtungsmöglichkeit.

Von dort machten wir einen Ausflug zur Lamberts Bay. Die kleine Stadt lebt heute noch vom Fischfang. Der Hafen ist keine luxuriöse Marina, sondern ein Ort zum Arbeiten. Am Kai sind Fischkutter vertäut und im Hafen liegen Diamanten-Saugschiffe, die auf eine ruhige See und ihren Einsatz an der Atlantikküste warten. Wenn das Wetter es erlaubt, fahren sie in Richtung Norden und saugen mit Hilfe eines riesigen Staubsaugers den Meeresboden ab. Die Arbeit der Taucher in rund 20 Meter Tiefe ist sehr hart, das Seewasser mit 13-15 Grad eisig kalt, die Sicht schlecht und die Strömungen gefährlich. Aufgrund der körperlichen Belastung dürfen daher die Taucher nur an 6 Tagen im Monat arbeiten.

Unsere Unterkunft lag direkt im Fischereihafen doch das geschäftige Treiben der Fischer wurde von der Tölpelkolonie auf der mitten in der Bucht gelegenen "Bird Island" weit in den Schatten gestellt. Dort brüten zwischen Oktober und März mehr als 10‘000 Kaptölpel. Das Brüten selbst geschieht nicht wie bei anderen Vögeln üblich durch das Bedecken mit den Bauchdaunen, sondern indem die Tölpel ihre großen Schwimmfüsse um das Ei legen. Bereits auf dem kurzen Fussweg zur Insel schlug uns das Krähen und Krächzen der Vögel entgegen, genauso wie ein markanter, strenger Duft. Während ein Vogel auf das Junge aufpasst, ist der zweite auf Futtersuche auf dem Meer und legt dabei riesige Strecken zurück. Von einer Beobachtungsplattform konnten wir aus nächster Nähe dem ständigen Lande- und Startspektakel zusehen. Wir waren fasziniert, dass die Altvögel in diesem Tumult ihre Jungvögel finden und es bei diesen gedrängten Verhältnissen nicht zu mehr Bruchlandungen kommt.  

Dann war es endlich soweit und wir konnten in die nun menschenleeren Cederberge zurückkehren, wo wir im Kromrivier Cederberg Park ein traumhaftes Cottage für zwei Nächte zur Verfügung stehen hatten. Wie man den vielen Stimmungsbilder entnehmen kann, konnten wir uns am Ausblick in die umliegenden Erhebungen kaum sattsehen. Aus den kühleren Temperaturen in den Bergen wurde jedoch leider nichts. Die Anzeige im Auto zeigte zur Mittagszeit satte 38 Grad an. So suchten wir uns zwei Wanderungen aus, bei denen wir uns in den klaren Flüssen abkühlen konnten. Beindruckt haben uns zudem die gut erhaltenen Wand- und Höhlenzeichnungen der San und der abwechslungsreiche Marsch zur gewaltigen Steinformation "Maltese Cross".

Danach fuhren wir zurück an die West Coast in das Dorf Paternoster, das beliebteste Wochenendziel der Kapstädter. Die weissgetunkten Häuser erinnerten uns sofort an Griechenland. Bei einer Küstenwanderung im nahegelegenen Columbine Nature Reserve sahen wir den Wellen zu, wie sie an gewaltige, blank gescheuerte Granitfelsen branden. Wunderbare Sonnenuntergänge, leckeres Essen und eine gemütliche Wohnung machten den Aufenthalt hier zu einem weiteren, gelungenen Erlebnis.

Und wie immer hier ein paar Bilder zur Untermalung des Geschriebenen.

Freitag, 18. März 2022

6. Woche Südafrika

Nach unserem Aufenthalt im grünen Hogsback fuhren wir in den Addo Elephant National Park. Dieser ist dicht, trocken und dornig und macht es nicht leicht Tiere zu erspähen. Nach langem Suchen wurden aber auch wir an einer Wasserstelle fündig und trafen auf eine riesige Herde von Elefanten und Zebras.

Zwischen dem Nationalpark und der grossen Karoo liegt das Land der Schafzucht. Die Strassen durch die unendliche Leere sind schnurgerade und führen vorbei an grasenden Schafen und Angoraziegen. Ziel unserer Tagesetappe war Graaf-Reinert, eine der ältesten Städte Südafrikas, welche noch eine fast intakte Altstadt besitzt und inmitten dieser kargen Schönheit der dornigen Halbwüste liegt. Den Mittelpunkt der Stadt bildet die imposante 1886 erbaute Niederländisch-Reformierte Kirche. Der Camdeboo National Park umgibt die Stadt und das Highlight ist das tief eingeschnittene „Valley of Desolation“. Der Crag Lizard Walk führt am Rand der Klippen entlang und der Blick in die Ebenen ist schlicht überwältigend. Während unsere Aufenthalts zogen riesige Schwärme von Wanderheuschrecken über das Land. Für die Landwirte ein enormes Problem; für uns Touristen ein imposantes Naturschauspiel.

Hier in Südafrika hält der Herbst Einzug. Die Tage werden merklich kürzer, das Wetter unbeständiger und die Temperaturen kühler. So fuhren wir am nächsten Morgen bei strömenden Regen durch die eindrucksvolle Schlucht Meiringspoort nach Prince Albert. Die Kleinstadt hat sich seine traditionelle, ländliche Architektur ebenfalls bewahrt. Nach einem wunderbaren Aufenthalt in der "De Bergkant Lodge" fuhren wir über die Schleifen und Grate des Swartberg-Passes in die kleine Karoo. Eine schmale unbefestigte Strasse schlängelt sich entlang der Swartberg-Ausläufer durch das wunderschöne Groenfontein Valley an weissen Karoo-Cottages und Farmen vorbei. Wie aus dem Nichts tauchten kurz vor Calitzdorp riesige, rote Felsformationen auf; wir waren total fasziniert. Spontan entschlossen wir uns, in der "Red Mountains Ridge Guest Farm" zu nächtigen und machten am nächsten Morgen eine Wanderung durch das Wein- und Mandelanbaugebiet.

Auf der Weiterfahrt nach Barrydale entspannten wir uns in den mit heissem Quellwasser gespiessenen Becken des Warmwaterberg Spa. Dieser in der wunderbaren Berglandschaft der kleinen Karoo eingebettete Ort liegt an der bekannten Route 62 und nur 240 km von Kapstadt entfernt. 

Ein letzter einsamer Pass und dann fanden wir uns inmitten des Weinlands wieder. Franschhoek gilt als der Gourmet-Ort in den weitläufigen Weingebieten. Bereits im 17. Jahrhundert siedelten sich hier Hugenotten an und dementsprechend ist die Weinstadt sehr französisch geprägt. Eine Weinverkostung, Wander- sowie Bike-Tour in der wunderbaren Gegend durfte natürlich nicht fehlen.

Wer mich kennt, weiss: Kein Tümpel ist mir zu klein oder zu kalt. So genoss ich direkt nach Ankunft einen "Schwumm" im kleinen, eisigen und doch etwas stark nach Chlor riechenden Becken direkt vor unserem Hotelzimmer. Ein Gast machte mich dann beim Vorbeigehen nett darauf aufmerksam, dass sich der Hotelpool hinter dem Hauptgebäude befindet und dies eher als Dekoration gedacht sei. Jääsoo!

Hier die Bilder zum neusten Beitrag und vielen lieben Dank an dieser Stelle für all die Kommentare!

 

Freitag, 11. März 2022

5. Woche Südafrika

Die Wohnhütten in der Gegend der Coffee Bay an der Wild Coast sind einzigartig. Viele sind noch strohbedeckt und oben mit einem Abschluss aus Reifen, Buntglas oder einer stachligen Aloe-Pflanze versehen. Das soll die unheilbringenden Eulen davon abhalten, auf den Dächern zu brüten. Das Highlight unseres 2-tägigen Aufenthalts dort war jedoch die Küstenwanderung zum Hole in the Wall. Durch den aus dem Meer ragenden Felsen führt ein Tunnel, durch welchen bei Flut oder rauer See die Wellen donnern. Das Wasser hat mit rund 23 Grad eine angenehme Temperatur und es befindet sich in der Nähe ein natürlich geschaffener Kanal, wo man sich von den Wellen hineintragen lassen kann.

Danach entschieden wir uns zwei Nächte nördlich von East London zu verbringen und fanden ein wunderbares B&B mit Blick auf den Gonubie River. Die beiden trüben Tage überbrückten wir mit einem Coiffeurbesuch, einer Einkaufstour sowie Ausflüge ins nahe Nature Reserve.

Genug von Sand zwischen den Zehen und Zähnen fuhren wir nach Hogsback einem Städtchen in den Amatola Mountains, nur gerade 145 km von East London entfernt. Der Name leitet sich von dem hohen felsigen Gebirgskamm dreier Berge ab, der dem Rücken eines Buschschweins gleicht. Der Ort selber liegt an einer 3 km langen Schotterstrasse, von der auf beiden Seiten Wege zu den Hotels und Cottages abgehen. Wir hatten bereits im Vorfeld gelesen, dass es hier oft nass und kalt sein kann. Kaum angekommen zogen wir dann auch rasch wärmere Kleidung an und von der eigentlichen Attraktion - dem afrikanischen Bergnebelwald-  war aufgrund dichten Nebels nicht viel zu erkennen. Am nächsten Morgen wurden wir früh durch lautes Vogelgezwitscher geweckt und konnten bei strahlendem Sonnenschein im Garten unseres Selbstversorger-Cottages frühstücken. Wir nutzten das wunderbare Wetter für verschiedene kürzere Wanderungen, welche alle durch Schweinchen-Symbole gekennzeichnet sind.

Braai (Afrikaan für Fleisch vom Grill) ist in Südafrika weit verbreitet und es gibt keine Selbstversorger-Unterkunft ohne top eingerichtete Grillstelle. Dies ist zudem oft die einzige Möglichkeit bei den häufig auftretenden "Load Sheddings" zu einem warmen Essen zu kommen. Nett formulierte Erklärung für die oft stundenlang andauernden Stromunterbrüche, gefunden auf der Homepage des einzigen Stromanbieters: Kontrollierte Art, den verfügbaren Strom zwischen allen Eskom-Kunden zu verteilen.

Und noch eine kurze Geschichte am Rande: Wir hatten unsere erste Begegnung mit der südafrikanischen Polizei. Rolf hat auf einer langen Geraden soeben einen Lastwagen überholt als kurz später ein Polizeiauto mit Blaulicht hinter uns auftauchte. Nach Überprüfung der Papiere wollte der Polizist ZAR 500.- (zirka CHF 30.-) für das nicht vorschriftsgemässe Überholen eines LKWs. Auf Rückfrage, was wir den falsch gemacht hätten, kamen einige fadenscheinige Erklärungen und die Aufforderung ihn auf den Polizeiposten zu folgen. Ich habe daraufhin mein Handy gezückt, den Polizisten um Angabe seines Namens und um ein Foto gebeten. Und siehe da, die Busse war auf einmal nur noch ein Vorsichtshinweis und uns wurde nett eine gute Weiterfahrt gewünscht.

Link zu den neusten Bilder.

Samstag, 5. März 2022

4. Woche Südafrika

Nach der Bergwelt Lesothos zog es uns an die Wild Coast; eine der unberührtesten Gegenden von Südafrika. Ein riesiges Gebiet mit sanft geschwungenen Hügeln, weit zerstreuten Siedlungen, üppig grünen Wäldern und endlosen Stränden am Indischen Ozean.

Doch der wilde Charakter bezieht sich nicht nur auf die Landschaft. Dies ist das ehemalige Homeland Transkei, welches in den Jahren der Apartheid vollkommen entrechtet war. Noch heute ist dies eine der ärmsten Gegenden des Landes und die einheimischen Xhosa begegnen uns Weissen eher mit Ignoranz oder sogar Missmut. Sie glauben zudem das Meer sei von Wesen bewohnt, welche nicht alle Besucher willkommen heissen. Das erklärt, warum sie relativ selten am Wasser anzutreffen sind und für Küstenbewohner typische Tätigkeiten wie Fischen oder Tauchen kaum ausführen.

Im Gegensatz zur bekannten Garden Route lässt sich die Wild Coast nicht leicht mit dem Auto befahren. Die einsamen Urlaubsorte sind über lange und kurvenreiche Schotterstrassen voller Schlaglöcher zu erreichen, die von der Schnellstrasse im Hinterland abgehen.

Daher haben wir uns für wenige, dafür längere Aufenthalte entschieden. Die erste Unterkunft lag direkt an der Mündung des Umngazi Rivers und lies keine Wünsche offen. Von unserem luxuriös ausgestatteten Bungalow genossen wir den wunderbaren Ausblick auf den Fluss und das Meer. Bei unseren Strandspaziergängen wurden wir von zutraulichen Hunden begleitet und sogar bei der geführten Wanderung durch die Mangroven und anschliessenden Kanufahrt hatten wir vierbeinige Unterstützung.

Wir wussten, es war nur eine Frage der Zeit bis uns eine Reifenpanne und schlechtes Wetter treffen würde. Das sich beides gerade am gleichen Tag ereignete, war dann doch etwas Pech.

So brauchten wir für die nur gerade 40km Fahrt zur einfachen Öko-Lodge am Bungula River ganze drei Stunden. Die Unterkunft ist ein Joint-Venture mit der Gemeinde und wir genossen einen tollen Austausch mit vielen NGO-Mitarbeitern und der lokalen Bevölkerung sowie Spaziergänge mit Schirm am Strand. Auch unser Besuch hier wurde durch tierische Begegnungen abgerundet. So musste man am Morgen zuerst über die Geissen steigen, welche vor dem Regen Schutz unter dem Vordach suchten und der Aussenbereich teilte man sich mit Ziegen, Esel und Rinder.

Hier die entsprechenden Bilder.